Sharenting: Das sollten Sie über Kinderfotos im Netz wissen

Beim Sharenting teilen Eltern Kinderfotos im Netz, um andere an ihrem Familienalltag teilhaben zu lassen. Für die Kinder kann das allerdings schwere Folgen haben. Welche Risiken sollten Sie kennen? Und worauf gilt es beim Posten zu achten? Alle Infos finden Sie in diesem Artikel.

Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand und tippt mit dem Finger auf den Bildschirm.
unsplash/Artem Beliaikin

Definition Sharenting: Was steckt hinter dem Begriff?

Egal ob Kindergeburtstag, Sommerurlaub mit der ganzen Familie oder lustige Situationen im Alltag: Viele Eltern machen gerne und häufig Fotos von ihren Kindern. Mit dem Smartphone sind die Fotos oder Videos schnell geschossen – und können ebenso schnell auf Social Media geteilt werden.

Sharenting

Englischer Begriff, der sich zusammensetzt aus den Worten „Parenting“ (Kindererziehung) und „to share“ (teilen). Er beschreibt die Verbreitung von Kinderbildern durch Eltern in sozialen Medien.

Nach Auffassung von jugendschutz.net umfasst dies auch das Teilen in eigentlich privaten oder semi-öffentlichen Kontexten, etwa in Messenger-Diensten oder Statusmeldungen, beispielsweise über WhatsApp, Telegram oder Signal – unabhängig davon, ob damit kommerzielle Absichten verbunden sind oder nicht. 

Davon zu unterscheiden sind verwandte Begriffe wie Family-Influencing und Kid-Fluencing. Beim Family-Influencing werden Kinder und Familien und deren Alltag bewusst in Social-Media-Inhalten eingesetzt, um Reichweite, Aufmerksamkeit oder auch finanzielle Einnahmen zu erzielen. Beim Kid-Fluencing steht das Kind selbst als (mit-)handelnde Person im Mittelpunkt von Content, der gezielt auf Reichweitenaufbau und Monetarisierung ausgerichtet sein kann. 

Sharenting betrifft vor allem das alltägliche, nicht-kommerzielle Teilen von Kinderfotos und -videos. Auch wenn Eltern dies häufig aus Stolz oder Freude tun, ist Sharenting nicht unproblematisch: Das Verbreiten von Kinderbildern im Netz kann Risiken für die Privatsphäre und die Persönlichkeitsrechte des Kindes mit sich bringen.

Sharenting: Warum posten Eltern Kinderfotos im Netz?

Es gibt viele Gründe dafür, Fotos von Kindern im Internet zu teilen. Es sind oft schöne oder besondere Momente wie Urlaube oder Geburtstage, an denen man Familie und Bekannte teilhaben lassen möchte. 

In einer ESET-Studie von 2021 geben etwa 34,7 Prozent der Eltern an, Fotos ihrer Kinder über WhatsApp zu teilen. Bei Facebook sind es etwa 18,2 Prozent und bei Instagram 11,9 Prozent. Sharenting gehört also für viele Eltern fast selbstverständlich zum Familienalltag dazu. Aber – ist das eigentlich erlaubt? Bei vielen Eltern herrscht große Unsicherheit darüber, wann das Teilen von Kinderfotos erlaubt ist und wann nicht. 
Eine bitkom-Befragung aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, wann Fotos von Kindern im Internet geteilt werden dürfen. Fast ein Drittel hat sich darüber sogar noch nie Gedanken gemacht. Besonders bei Fotos fremder Kinder gilt: Eine Veröffentlichung ist in der Regel nur mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten zulässig. 

Kein Wunder also, dass viele Eltern Fotos und Videos ohne Bedenken posten. Dennoch ist eine Auseinandersetzung mit möglichen Risiken und den Rechten von Kindern wichtig, um sich und die eigenen Kinder zu schützen. 

Welche Rechte haben Kinder bei Fotos im Internet?

Kinder haben Persönlichkeitsrechte – ganz egal wie alt sie sind. Dazu gehört auch das Recht am eigenen Bild, auch und vor allem im Netz. Jedoch können kleinere Kinder oft noch nicht selbst einschätzen, ob sie möchten, dass ein Bild geteilt wird oder nicht. Bei Kindern bis etwa sieben Jahren entscheiden ausschließlich die Erziehungsberechtigten über die Veröffentlichung von Fotos. Bei älteren Kindern sollte die Entscheidung gemeinsam getroffen werden. 

Bei Kindern und Jugendlichen zwischen etwa acht und siebzehn Jahren ist für die Veröffentlichung von Fotos in der Regel die Zustimmung von Kind und Erziehungsberechtigten erforderlich. Beide Seiten sollten der Veröffentlichung zustimmen. 

Beim Sharenting tragen Eltern die Verantwortung dafür, was mit den Fotos ihrer Kinder im Internet passiert. Insbesondere bei jüngeren Kindern, die selbst noch nicht entscheiden können oder die Tragweite von Bildern und Videos auf Social Media verstehen, ist es wichtig, dass Sie im Interesse Ihres Kindes handeln. Fragen Sie sich: Würde mein Kind später, wenn es älter ist wollen, dass dieses Foto im Internet zu sehen ist? Lautet die Antwort „nein“ oder Sie sind unsicher, sollten Sie das Foto nicht posten. 

Was sind die Risiken von Sharenting?

Die Risiken von Sharenting betreffen vor allem zwei Bereiche: Die Persönlichkeitsrechte des Kindes sowie die Nutzung der Fotos durch Dritte. Viele Kinder können selbst noch nicht einschätzen, welche Tragweite Fotos im Internet haben können. Umso wichtiger ist es, dass Eltern die Risiken kennen. Auch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz weist darauf hin, dass Kinderfotos besonders schützenswert sind und nicht unbedacht im Internet veröffentlicht werden sollten. 

Auch wenn vor allem kleine Kinder nicht immer verstehen, was es bedeutet, ein Foto im Internet zu posten, haben sie oft bereits ein Gefühl, wann sie fotografiert werden möchten und wann nicht. Sie haben wie alle anderen Menschen ein Recht am eigenen Bild. Posten Eltern also ein Foto ohne oder sogar entgegen der Zustimmung des Kindes, werden die Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzt. 

Fotos und Videos, die Sie als niedlich oder lustig empfinden, können für Ihr Kind peinlich sein oder sogar zu Cybermobbing führen. Ist das Foto einmal im Internet, können Sie nicht mehr kontrollieren, was damit geschieht. Auch scheinbar harmlose Aufnahmen können bearbeitet und genutzt werden, um Ihr Kind bloßzustellen. Auch wenn Sie beim Sharenting keine bösen Absichten haben, können Sie nicht kontrollieren, wie andere Personen mit den Fotos Ihrer Kinder umgehen. 

Selbst Aufnahmen, die Ihr Kind in einer normalen Situation zeigen, können mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in nur wenigen Minuten bearbeitet und manipuliert werden. Dadurch kann Ihr Kind in intimen, peinlichen oder unangemessenen Situationen dargestellt werden. Auch Deepfakes, bei denen täuschend echte Fotos oder Videos von Ihrem Kind erstellt werden, können heutzutage leicht erstellt werden. Ein Phänomen, das rasant zunimmt – allein 2025 waren laut einer UNICEF-Studie in elf Ländern 1,2 Millionen Kinder von sexuell eindeutigen Deepfakes betroffen. 

Nicht nur bearbeitete Bilder und Deepfakes können missbräuchlich verwendet werden. Auch scheinbar harmlose Fotos Ihres Kindes können von Pädokriminellen heruntergeladen und für sexualisierte Zwecke missbraucht werden. Diese suchen gezielt im Internet nach Kinderfotos, um sie selbst zu verwenden oder in ihrem Netzwerk und auf anderen Onlineseiten zu verbreiten – Sharenting erleichtert ihnen den Zugang zu solchen Bildern. 

Ein Foto von der Einschulung, vom Reitunterricht oder auf dem Bolzplatz nebenan: Sie alle geben Informationen über Ihr Kind preis. Je mehr Details über Schule, Kindergarten, Hobbys, Namen oder Adresse Ihres Kindes im Internet und auf Social Media zu finden sind, desto eher können fremde Personen Ihr Kind aufsuchen und gezielt ansprechen. 

Sind Fotos und Videos erst einmal im Netz, haben Sie keine Kontrolle mehr darüber, was mit ihnen geschieht. Selbst wenn Sie selbst Inhalt löschen, können andere diese längst heruntergeladen haben und für ihre Zwecke weiterverwenden. Außerdem geben Sie auf vielen Plattformen beim Posten von Fotos auf Social Media das Nutzungsrecht ab – oft ohne es zu wissen, da es nur im Kleingedruckten steht. Damit können die Plattformen die Bilder und Videos Ihrer Kinder selbst kostenlos nutzen und in manchen Fällen sogar an Dritte weitergeben. 

Sharenting-Tipps für Eltern: So teilen Sie Fotos verantwortungsvoll

Um Ihr Kind vor diesen Risiken zu schützen, sollten Sie achtsam mit Kinderfotos im Netz umgehen und das Teilen von Kinderfotos im Internet möglichst vermeiden. Natürlich können Sie weiterhin besondere Momente mit Ihren Kindern mit engen Verwandten und FreundInnen teilen. Wie Sie dabei sicher mit Kinderfotos umgehen, erfahren Sie in den Tipps weiter unten.  

Nutzen Sie unseren Foto-Guide für Eltern! Dieser hilft Ihnen zu beurteilen, ob Sie ein Foto Ihres Kindes im Netz teilen sollten oder lieber nicht. 

Grundsätzlich gilt beim Sharenting: Je weniger Fotos und Videos von Ihrem Kind im Internet landen, desto besser. Wenn Sie aber doch ausgewählte Fotos in Absprache mit Ihrem Kind teilen möchten, achten Sie auf folgende Hinweise, um Ihr Kind zu schützen: 

  • Einwilligung und Verantwortung
    Fragen Sie Ihr Kind, ob es möchte, dass das Foto oder Video veröffentlicht wird. Stellen Sie sich bei sehr kleinen Kindern selbst die Frage: Würde mein Kind wollen, dass das Bild gepostet wird? 
  • Schutz der Privatsphäre durch Anonymisierung
    Machen Sie das Gesicht Ihres Kindes unkenntlich. Verwenden Sie nur Fotos und Videos, die Ihr Nachwuchs von hinten zeigen oder verdecken Sie das Gesicht Ihres Kindes vollständig mit Emojis. 
  • Schutz vor Standortdaten
    Stellen Sie sicher, dass die Standortbestimmung beim Hochladen ins Netz deaktiviert ist – sonst können andere NutzerInnen sehen, wo das Bild aufgenommen wurde. 
  • Privatsphäre in Social Media Einstellungen
    Prüfen Sie die Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen Ihrer Social-Media-Profile. Prüfen Sie, wer Ihre Posts sehen kann und stellen Sie Ihr Profil auf „privat“, damit nur ausgewählte Personen darauf zugreifen können. 
  • Kontrolle in Messenger-Diensten
    Gehen Sie Ihre Kontakte in Messenger-Diensten durch und prüfen Sie, wer Ihren „Status“ sehen kann. Achten Sie auch in Gruppen darauf, ob wirklich nur Personen Mitglieder sind, die die Fotos sehen sollen. 
  • Regeln für Familie und Umfeld
    Legen Sie klare Regeln mit Familie und FreundInnen fest. Wer darf Fotos von Ihrem Kind teilen – und wie? Dürfen Bilder gespeichert und weitergeschickt werden? 
  • Vorbildfunktion der Eltern
    Kinder lernen von Ihren Eltern – machen Sie also vor, wie es richtig geht. Spätestens wenn Ihr Kind selbst ein Smartphone hat und Fotos posten möchte, lernt es so den richtigen Umgang mit Kinderfotos im Netz. 

Bei vielen Fotos und Videos reicht es aber nicht, Ihr Kind unkenntlich zu machen und auf Privatsphäreeinstellungen zu achten. Es gibt einige Bilder und Informationen, die beim Sharenting niemals im Netz landen sollten: 

  • Posten Sie keine Fotos oder Videos von Ihrem Kind in unangemessenen oder peinlichen Situationen – auch wenn Sie die Aufnahmen lustig oder niedlich finden. Dazu zählen z. B. Fotos, die Ihr Kind weinend, wütend, schlafend oder krank zeigen. 
  • Veröffentlichen Sie niemals Nacktaufnahmen oder sehr freizügige Bilder und zeigen Sie Ihr Kind nicht leicht bekleidet.  
  • Teilen Sie keine Fotos und Inhalte auf Social Media, die persönliche Informationen über Ihr Kind preisgeben oder Rückschlüsse auf seinen Aufenthaltsort ermöglichen. 

Wenn Sie Bilder nur digital in einer Cloud speichern wollen, statt auf Social Media hochzuladen, achten Sie auf die Datenschutzregelungen des Anbieters und schützen Sie die Bilder mit einem sicheren Passwort. Noch besser ist es, die Fotos und Videos auf einer externen Festplatte zu speichern – so stellen Sie sicher, dass die Kinderfotos nicht öffentlich im Netz landen und auch bei Datenleaks oder Hacker-Angriffen nicht veröffentlicht werden können.